Engadin Radmarathon



06.07.2008


Zähneklappernd und "Warm(ge)dusch(t)er" im Engadin


Rußig verteidigt 4. Platz im Alpencup-Classic


Am Sonntag, den 06.07.2008, standen in Zernez (Schweiz) 2 Radsportfreunde vom 1. RV Pirna, zum nunmehr 3. Engadin Radmarathon, am Start.
Lange hatten Sie mit ihrer Startzusage gezögert, da beide bereits eine Woche vorher bei der 11. Fichkona am Start standen und sich in der "Gruppe 1", welche mit 19.25h eine neue Rekordzeit aufstellte, nicht schonen konnte. Aber trotz mäßiger Wetteraussichten entschieden sich Rußig und Klempin den 4. Platz der Alpencup Classic Wertung von Rußig zu verteidigen und der 3. Gesamtplatz war auch nicht allzuweit entfernt.
Sonntag, 7.00 Uhr, Bilderbuchwetter, fiel der Startschuss. Doch noch nicht so locker in den Beine, mussten beide das Feld am 1. Anstieg zum Ova Spinn erst einmal vorbeiziehen lassen. Nachdem der Tunnel vor Livigno erreicht wurde, waren den Motoren von beiden langsam warm gelaufen, Klempin spannte sich vor Rußig und ab ging es mit gleichmäßig zügigem Tempo den 2. von 5 Pässen des Tages hinauf. In der folgenden Abfahrt hieß es kurz Luft zu holen um dann den Berninapass zu erklimmen. Kurz vor der Passhöhe fuhr Klempin zur Verpflegungsstation voraus um die Trinkflaschen noch einmal für die nun folgende Abfahrt zu füllen und ohne Zeitverlust ging es in die Abfahrt. Hier wurden nach und nach einzelne Fahrer aufgesammelt, so dass es mit hohem Tempo wieder zurück zum Start- / Zielort ging. Zernez war erreicht, unter 3h mit 33ziger Schnitt lag man ganz gut im Rennen, aber ein Blick zurück verhieß nichts gutes. Eine riesige dunkle Wand hatte sich hinter ihnen aufgebaut. Etliche aus der Gruppe bogen in Zernez ins Ziel der B-Strecke ab. Beide schauten sich kurz an, konnten sich aber nicht so richtig einigen, ob warm und trocken ins Ziel abzubiegen oder die Hoffnung, es wird schon nicht zu schlimm werden. Man rollte an der Zieleinfahrt vorbei und nach 5 Kilometern ging es links hinauf zu Flüelapass. Rußig, leicht fluchend, biss sich aber am Hinterrad von Klempin fest, und beide nahmen weitere 1000 Höhenmeter in Angriff.
Die Hoffnung auf eine weitere trockene Abfahrt vom Flüelapass wurde kurz vor erreichen des Passes mit einsetzendem Regen je zerstört. Die Schlechtwetterwolken waren schneller herangerückt als man dachte. Umkehren oder weiterfahren? Etliche Fahrer fuhren bereits zurück (auch prominente Fahrer wie Paul Lindner, bisher Führender der Alpencupgesamtwertung seiner Altersklasse, stieg aus) , es war merklich abgekühlt und noch waren 2 Abfahrten und ein Pass zu überwinden. Klempin, eh kein so guter Abfahrer bei nasser Strecke, schickte Rußig voraus, damit er nicht noch mehr Zeit verlor. Vielleicht sah man sich ja noch im Anstieg zum Albulapass.
In der Abfahrt war es "schweine kalt". Zähneklappernd und mit steifen, kalten Händen wollte auch kein richtiges Bremsgefühl mehr aufkommen und so ging es, das Rad "um die Serpentinen herum getragen" hinunter über Davos nach Bergrün. Froh den nächsten Anstieg erreicht zu haben, durch die Bewegung wurde es einem endlich wieder etwas wärmer und zwischenzeitlich lugte sogar noch ein Stück blauer Himmel hervor, ging es hinauf zum letzten Pass des Tages. Aber der Himmel wurde wieder schwarz, Gewitter zu auf und die Hoffnung trocken und warm das Rennen zu Ende zu fahren zerstob. Am Paß kamen auch noch heftige Windböen hinzu. Hier wurde nur kurz angehalten und wieder mit eisigen Händen und ohne Bremsgefühl ging es auf schmalen Reifen hinunter nach La Punt. Hier hieß es noch einmal vollste Konzentration, denn kurz vor Ende der Abfahrt, plötzliche ein riesiges "Loch" und loser Schotter auf ca. 100 Metern in der Straße. Aber von den Organisatoren bestens Abgesichert durchfuhr man vorsichtig die letzte Baustelle und kämpfte sich durchfroren ins Ziel nach Zernez. Rußig erreichte, nach 211 km und 3800 hm, mit guten 8:05 h das Ziel. Klempin, sehr vorsichtig in der Abfahrt, trudelte kurze Zeit später, den Lenker des Rades kaum noch spürend, mit 8:16 h in Zernez ein. Sofort ging es bibbernd und mit blauen Lippen unter die Duschen und nach mindestens 20-minütigem "Genuss" des heißen Wassers und eingepackt mit allen Sachen die man hatte, spürte man auch seine Finger wieder.
Die anschließende Zielauswertung ergab: Rußig verteidigt seinen 4. Platz und erreicht einen sehr guten 4.Platz in der Gesamtwertung des Alpencup Classic ca. 10 Minuten hinter dem Drittplazierten. Klempin verbesserte sich auf Platz 15. der Gesamtwertung des Alpencups Extrem.
Bevor es für beide auf die Städtetour zum Partnerverein nach Remscheid geht, heißt es nun erst einmal gut zu regenerieren, nicht krank zu werden sowie Räder "schruppen".

ru, kle / 1. RV Pirna

Ergebnisse



Ergebnisse unter:

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