Salzkammergut Trophy


14.07.07


Geschafft – 209 km mit 7006 Höhenmetern auf Stollenreifen


10. Salzkammergut Trophy Bad Goisern


Super, ich habe relativ locker die Ultradistanz der 10 jährigen Auflage der Salzkammergut Mountainbike Trophy in Bad Goisern geschafft.
Die Saison 2006 verlief mit 13 Podestplätzen fast optimal. Hervorzuheben sind der Gewinn der MTB Mitteldeutschlandcup - Serie sowie der Titelgewinn "Mitteldeutscher Meister" der Senioren 2. Da diese Ergebnisse kaum zu toppen sind, fasste ich letzten Winter den Entschluss mich 2007 etwas mehr den Marathonveranstaltungen zu widmen. 
Die MTB "Marathon Man" Serie mit Veranstaltungen in Karpacz, Malevil, Bad Goisern und Seiffen wird einiges an Kondition fordern. Damit sich das viele trainieren für lange Strecken auch lohnt, fahre ich den Ötztaler Radmarathon Ende August mit 4 Pässen, 238 km und 5500 Hm ein zweites Mal. Dabei hoffe ich meine gute Zeit von 9:04 Stunden etwas zu verbessern.
Da es ja keinen Winter gab, sammelten sich die Radkilometer inklusive des Aufenthalts auf Gran Canaria und dem Trainingslager auf Mallorca schnell. So standen Ende März schon 4000 km au dem Tacho. Die ersten kurzen Rennen liefen super, dazwischen immer wieder Grundlagentraining. 
Am 1.Mai dann der erste Marathon in Karpacz, 14 Tage später in Maleville. Die Beine waren gut, aber das beschissene Wetter in Maleville gefiel meinem Gemüt gar nicht. 
Bei der Mad East Challenge am 20.05. hatte ich einen heftigen Sturz und zwei Platten. Ich überholte den ganzen Tag die gleichen Leute. Da ich bis dahin schon einige Platten hatte, setzte ich jetzt wieder auf Schläuche gefüllt mit Pannenschutzemulsion. 
Im Juni hatte ich ein bis zwei Marathons und viel Grundlagentraining für die Langdistanz in Bad Goisern geplant. Ich saß über 1700 km auf dem Rad. Die Marathons vielen wegen dem immer wieder schlechten Wetter weg.
Die längste Strecke fuhr ich mit Klaus Hieckmann und Andreas Klempin mit dem Rennrad auf den Fichtelberg und zurück. Die 300 km mit etwas über 4000 Hm vielen relativ leicht.
Nach den kurzen Rennen in Nerchau und Beierfeld fuhr ich jedes Mal mit dem Rad heim. 7000 Höhenmeter klangen zwar immer noch abartig, aber meine Beine waren immer super. Im Kopf bin ich eh relativ stark. Die große Aufgabe Bad Goisern kam immer näher. Trondheim-Oslo 2002, Königstein - Königstein - 655 km Nonstop sowie der Ötztaler 2004 lagen in weiter Ferne.
Noch eine Woche, die Wetteraussichten für die Weltkulturerberegion Salzkammergut klingen schlecht. Es regnet dann auch bis Mittwoch, aber ein stabiles Hoch ist angesagt. Bloß gut, ich hätte sonst auf die 110 km Strecke umgebucht und meine Mitfahrer gefragt, ob wir Sonntag früh nach Deutschland zur Mitteldeutschen Meisterschaft fahren. Da gab es doppelte Punktzahl für den MDC - Cup.
Da mein Kumpel Mario Prause nicht wie besprochen mit nach Bad Goisern reiste, sondern statt dessen Mitteldeutscher Meister wurde, liegt er jetzt in der Cupwertung vorn.
Eigentlich wollte ich diese nebenbei gewinnen, da ich bis jetzt dort dominierte. Aber aus eigener Kraft wird das jetzt nichts mehr.
Egal, geiles Wetter in Österreich. Mit dem Bus der Stromversorgung Pirna fahren Andreas Klempin, Robin Schrock, Lars Peterek, Maik Benndorf und ich zum großen Event.
Mario hatte ein schönes ruhiges Hotel mit Halbpension rausgesucht. Freitag Nachmittag rollen wir locker um den Hallstätter See. Abends noch mal Kohlenhydrate und drei Gläser Rotwein zum besseren Einschlafen.
Da der Startschuss 5 Uhr fällt, geht es gegen 3.55 Uhr zum Frühstück. Draußen angenehme Temperaturen um 12°C. Es soll heiß werden. Ich stecke mir nur eine Tüte unters kurze Trikot, Armlinge und Weste lasse ich gleich im Hotel.
Wir stehen unter den 350 Startern weit hinten. Aber unser Vorhaben lautet „Durchkommen“. Benno (Maik Benndorf) und ich hatten uns im Vorfeld darauf geeinigt, diese Hammertour so weit es geht, zusammenzufahren.
Lars welcher 14 Tage vorher auf alle Fälle noch auf die kürzere Strecke umbuchen wollte, entschied sich doch für die „Männerrunde“. Andreas, sonst fast ausschließlich auf der Straße unterwegs, wollte versuchen mit seiner guten Form an den Anstiegen die verlorene Zeit der Abfahrten wettzumachen. Da die ersten zwei Schleifen um Goisern die technisch schwierigeren waren, nahmen Ihn die Verantwortlichen nach 108 km mit etwa 3600 Hm aus dem Rennen. Er hatte die geforderte Durchfahrtszeit um etwa 10 Minuten verpasst.
Start, wir fahren auf Asphalt aus dem Ort Richtung Raschberg. Wir arbeiten uns langsam nach vorn, überholen vier junge Frauen und ziehen gedanklich den Hut vor Ihrer Leistung, hier im Starterfeld zu fahren. Trotz der angenehmen Temperatur schwitzt man schon leicht. Wir bemühen uns den Puls unten zu halten und fahren wie vorher vereinbart nur bis zu 160 Schlägen/Minute.
Als es auf einen kleinen Trail geht und der Untergrund schlammig ist, ist erstmal schieben angesagt. Mittlerweile haben wir Marco Dietze aus Dresden und Lutz Herrmann aus Pirna überholt. Nach etwa 12 km befinden wir uns auf 1370 Hm und sind warm gefahren. 6 Km später nächster Anstieg, es geht über die Tauernkreuzung auf 1230 Meter hoch.
Von da geht es Richtung Abfahrt „Ewige Wand“, welche unterhalb des „Predigstuhl“ liegt.
Das erste große Schlammstück, ich glaube auch für die Profis vorn nicht fahrbar wird durchquert. Der Schlamm spritzt und unsere Gliedmaßen ändern ihr Aussehen. Ewige Wand, es geht direkt am Felsmassiv auf einem schmalen Pfad längs zum Tal, überholen nicht sinnvoll! Blitzlichtgewitter der Fotokameras vor und in einem Tunnel. Dieser ist spärlich beleuchtet, man muss aufpassen dass man nicht gegen den Fels fährt.
Danach wieder Schlammabfahrt. Das Rad wird teilweise so abgebremst, das man treten muss.
Ich find es gut, da meine noch durch V-Bremsen erhitzten Felgen etwas abkühlen können. Meine Befürchtung vorher waren eventuell Schlauchplatzer auf so langen Abfahrten. Aber die Bremsen verrichteten gut ihre Arbeit und die Schläuche hielten den ganzen Tag.
Nach 33 km sind wir im Tal in Weißenbach. Es geht über zwei Treppenpassage auf die andere Talseite. Geil.
An der Verpflegungsstelle warte ich auf Benno, welcher wenige Augenblicke später kommt. Wir sind bereis 2:15 h unterwegs, immer noch angenehme 13°C. Auf der nächsten Schleife von Goisern geht es über drei Anstiege. Auf einigen Abfahrtsstücken laufen wir lieber, da das Gestein manchmal extrem glatt ist.
Auf einer steilen Bergablaufpassage, manche fahren, ich weiß nicht wie, überholt mich rennend die erste Frau. Anita Wais aus Österreich. Dies erfahre ich ein paar Meter später, da der Streckensprecher sie jubelnd vorantreibt. Nach 5:16 und mittlerweile gefahrenen 83 km sind wir wieder im Tal.
Der Start der B-Strecke über 110 km mit 3582 km steht unmittelbar bevor. Dieser erfolgte dann um 10.30 Uhr.
Diese über 1000 Starter fahren unsre Strecke in den Abschnitten 0-39 km und 138 – 209 km.
Für uns kommen erstmal zwei richtig steile Anstiege. Nach der Labe bei km 84 forciert Benno das Tempo. Mein Puls zeigt konstant um 160. Ich denke, spinnt der, fahre aber mit.
Die Gruppe, in welcher wir uns eine ganze Zeit befanden, verschwindet schnell hinter uns. Dann mein Stunt des Tages.
Bei km 87 an einem extremen Steilstück mit 30 %, will ich unbedingt fahren und nicht wie die Gruppe, welche 200 Meter vor uns geschoben hatte, schieben. Es geht, es geht, es geht nicht mehr. Bei Puls 172 und losen Untergrund will ich ausklicken. Das klappt nicht, und ich falle auf der rechten Seite fahrend nach rechts Richtung Abgrund. Ehe ich weiter denken kann, reicht mein Schwung und ich rutsche 4 Meter tiefer ins Flussbett.
Zum Glück war die Böschung mit großen Felssteinen und Zement befestigt. Als ich unten angekommen aufspringe, ein Geräusch über mir.
Im nächsten Moment spickt mein Rad in mich, zum Glück zuerst mit den Reifen. Benno ruft besorgt von oben. Ich kann alles noch bewegen, Glück gehabt. An meiner Absturzstelle besteht keine Chance nach oben zu kommen. Etwas weiter links, reiche ich meinem Begleiter das Rad hoch. Hier geht es senkrecht bergab. Wäre ich hier runter gefallen, aua. Irgendwie schafft es Benno mich hoch zu ziehen. Das erste, was ich feststelle, ist ein arg zerkratzter noch nicht alter TUNE Speedneedle Sattel. Ich schaue weiter, Ausfallende verbogen. Mit den Händen richte ich dieses notdürftig und die Schaltung funktionierte wieder. Dieser Akt dauert gerade mal 4 Minuten. Die Gruppe, welche Benno vorhin abgehängt hatte, ist immer noch nicht an dieser Stelle. Weiterfahrt.
Nach ein paar Minuten stelle ich fest, dass an etlichen Stellen der Beine und Arme der sich dort befindliche Schlamm rot färbt. Die Radhose hat jetzt auch ein paar Löscher. Nach der nächsten Abfahrt geht es hinauf zur Tauernkreuzung, wo wir nach der Verpflegungsstelle auf Teilnehmer der B, C und D-Strecke treffen.
Benno hatte wohl mit seiner Tempoverschärfung etwas daneben gegriffen. Er hat Mühe bergauf das Tempo zu halten. 30 °C, scharenweise geht es durch den Schlamm zur Abfahrt „Ewige Wand“. Ich bewege mich vorsichtig abwärts, da einige der Kurzdistanzen denken, jetzt müssen wir gewinnen. Ohne Rücksicht auf Verluste schießen Sie bergab. Benno überholt mich.
Im Tal angekommen trennen sich die Streckenführungen. Wir auf der Langdistanz fahren westlich von Goisern eine Schleife über Brunntalalm und Hochmuth. Wieder bewältigen wir etwa 600 Hm.
Bei 31°C im Anstieg hat Benno sichtlich Probleme. Ich fahre weg. Nach 9 Stunden und 133 km erreiche ich das Tal und die Labe. Ich verpflege mich, esse und trinke.
Da Benno nicht kommt, fahre ich weiter. Jetzt geht es um den Hallstätter See. 23 km fast geradeaus, Kette meisten rechts und Druck.
Bei km 149 lege ich mein Rad, Helm und Handschuhe an den Rand und steige in den See. Herrlich. Kopf ins kühle Nass, Arme und Beine vom Schlamm befreien. Habe doch 6 größere Wunden bei meiner Besichtigung des Flussbetts erlitten. Dies wird jetzt sichtbar. 4 Minuten später sitze ich wieder, relativ sauber und erfrischt auf dem Rad.
Wenig später, im Strandbad Obertraun die Labestation vor dem Hammeranstieg. Etwa 50 Fahrer der A und B-Strecke tummeln sich hier. Benno kommt auch. Wir verpflegen uns ausgiebig, fahren weiter und wünschen uns für die letzten sehr anstrengenden über 50 km alles Gute. Kette rechts, ich ziehe davon.
Bei km 156 geht es in Hallstadt links vom See in den Anstieg. Auf 9 km warten etwa 900 Hm.
Nach einer kurzen Schiebepassage geht es steil bergauf im Wald. Wenig später eine breitere Forststraße. Viele schieben ihr Bike, Andere sitzen an den wenigen schattigen Stellen oder erfrischen sich an den teilweise abwärts führenden Bächen. Viele der B-Strecke kommen uns entgegen gefahren. Sie haben aufgegeben und rollen runter zum See. Ich fahre bei 30°C Kette links, Puls um 150 mit meistens 5-6 km/h den Anstieg. Bei km 162 überhole ich Anita Wais und wünsche Ihr weiterhin gute Fahrt.
Ins Ziel kommt sie schließlich 5 Minuten nach mir. Bei km 165 wird es so steil und der Schotter locker, dass ich absteige und schiebe. Wieder mal 30% Steigung! 200 Meter später die Erlösung, es geht abwärts.
Kurz vor der nächsten Verpflegungsstelle überhole ich Albrecht Dietze, dem Macher des Erzgebirgs Bike Marathon in Seiffen. Er fährt die 110 km Strecke und fühlt sich gar nicht mehr gut. Aber nach weiteren Qualen am letzten großen Anstieg erreicht er das Ziel.
Es geht kupiert weiter bis km 172. Dann endlich eine längere Abfahrt, abwärts von 1400 bis auf 780 Meter. Nächste Labestation bei km 182 und dann der letzte längere Anstieg. Immer noch 30°C.
Auf meinem auf dem Lenker aufgeklebten Höhenprofil stehen noch mal 430 Meter Anstieg bis km 188. Zum Glück ist für mich alles fahrbar bei Puls bis 155 Schläge und bis zu 25% Steigung. Ich fühle mich noch erstaunlich gut und fahre einige Abschnitte auf dem mittleren Kettenblatt. Das Leiden vieler anderer Starter ist in Mengen sichtbar. Einige schlafen im Schatten auf grobem Geröll, andere versuchen ihre Muskelkrämpfe zu lindern. Viele schieben in sich gekehrt, ich muss mir immer mal wieder den Weg frei bitten.
Einmal fällt einer mit Krämpfen abrupt vor mir fahrend um.
ch bin oben und das Höhenprofil zeigt nur noch kleinere Anstiege. Kurze Zeit später zeigt ein lachender Smily am Wegesrand noch 20 km. Dann noch mal 65 hm binnen einem reichlichen km. In froher Erwartung auf das immer näher kommende Ziel stören einen die bis zu 13% gar nicht mehr. Der See ist wieder da, die letzten 10km bis zum Ziel. Wir sind eine 6 Mann Gruppe und arbeiten gut zusammen. Kette rechts, wir fliegen dem Ziel entgegen. Ortseingang Bad Goisern, Noch mal die kleine Schikane durch die Brücke am Bach und dann Freude.
Nach 13:43 Stunden überquere ich überglücklich die Ziellinie. Damit bin ich 17. meiner AK und 81. des Gesamtfeldes, was mich aber ehrlich nicht wirklich interessiert. Hauptsache geschafft! Meine Zeit auf dem Rad betrug 13:21 h, der Rest war verpflegen, pinkeln, Sturz und Baden im See. Im Ziel esse und trinke ich kurz was und mache mein Rad am super eingerichteten Waschplatz sauber.
Nach 14:15 h kommt Benno ins Ziel. Wir holen unsere Finisher – T - Shirts. Als wir im Hotel sind kommt Lars.
Wir hatten ehrlich gesagt noch nicht mit Ihm gerechnet. Aber mit 14:40 h fuhr er auch eine gute Zeit.
Die harten Fakten des Ultramarathons, von den gestarteten 350 Fahrern erreichen nur 185 das Ziel. Darunter sind 4 Frauen. Die Veranstaltung war super organisiert, die Streckenabsicherung vom feinsten. Nur an den Labestationen der zweiten Rennhälfte hätte ich mir zusätzlich Cola gewünscht. Für die hinter mir fahrenden Teilnehmer gab es manchmal nur noch herzlich wenig. Dies sollte ebenfalls verbessert werden. Eine Mail habe ich dem Veranstalter diesbezüglich zukommen lassen.
Der MTB Marathon in Bad Goisern, egal welche Strecke, ist auf alle Fälle eine Teilnahme wert! Ich hoffe, dass ich meine derzeitige gute Form noch bis zum Ötztaler Ende August retten kann. Dort will ich, wenn das Wetter mitmacht, unter 9 Stunden Fahrzeit die 238 km mit ihren 5500 Höhenmetern bewältigen.

Uwe Gollmann / 1.RV Pirna

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